KUNSTASYL bei 48Stunden NEUKÖLLN


Ein Bus fuhr durch Neukölln. Die Fensterplätze waren besetzt von Latif und Khaled, von Mawlud, Zlatan Ramizah und Vanesa, von Endrit, Mohamed Firas, Melisa und Zineta, von Housam  und Al Khaled, von Mazin und Hijba, Mohammed und Zain, von Amir und Dakel, von Hameed und Sam, Kumrije, Valentina, Valandrina und Foad, von Bashkim, Gazi, Gordon und Alexander. Acht mal in achtundvierzig Minuten um die Welt - von der Flughafenhafenstrasse über Podujeva und Tuzla, bis nach Damaskus, weiter nach Ba'labak und Shingal bis nach Gujrat. Ankunft immer mit Verspätung. 48 Plätze besetzt von Gästen und Gastgebern, Reisenden und Zugestiegenen. Nur der 49. Sitz, in der Mitte der letzten Reihe, blieb meist leer, dem "unbekannten Flüchtling" gewidmet.

"Our tour is too simple, we have no rules, we just share a small great idea. there is no refugee here and nobody is involved with the project. we are human beings which had to leave home for different reasons. maybe some people say that we can't read and write, that’s why I want to answer them, at least we have emotions and we can feel the big humanity in our hearts."

Zu diesen begrüssenden Worten von Dakel rollte der Bus los zu einer Reise der Optionen und der Begegnungen.

Es war beim letzten Stop in Damaskus, auf dem Hof vor dem Museum Neukölln, als der 9-jährige Mohammed die Worte seines Vaters Mazin ergänzte und sagte: "Es geht nicht um einen Ort oder eine Landschaft, es geht um die Menschen".

KUNSTASYLtours zu 48 Stunden Neukölln folgte der Idee, in einem Bus gemeinsamen Raum zu kreieren und diesen zu teilen zwischen Menschen, die noch Zuflucht in Deutschland suchen und solchen, die hier schon leben. Bei der letzten Tour war dieser Raum kaum mehr vorhanden. Soviele Menschen reisten noch einmal mit.
Einer von Hijbas Gästen vertraute ihr an, dass sie bisher immer Angst gehabt hätte mit einem "Flüchtling" zu reden. Diese Angst konnte sie im Bus verlieren. Es gab da ja keine Flüchtlingen, es waren Latif und Khaled, Mawlud, Zlatan, Ramizah und Vanesa, Endrit, Mohamed Firas, Melisa und Zineta, Housam und Al Khaled, Mazin und Hijba, Mohammed und Zain, Amir und Dakel, Hameed und Sam, Kumrije, Valentina, Valdrina und Fuad, Bashkim, Gazi und Alexander. Sie sprachen übers Fliegen und Fussball, über Kochen und Fotografie, Asylpolitik, die Rolle der Frau und eine Flucht durch die Wüste des Sudan.

 

 

Erich Kästner hatte sich 1932 zugunsten der Eisenbahn entschieden als Gefährt für sein Gleichnis, welches in eine "Gegenwart in spe" rollt, und dessen erste Strophe lautet:

Wir sitzen alle im gleichen Zug
und reisen quer durch die Zeit.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir fahren alle im gleichen Zug
und keiner weiß, wie weit.

Fernreise Neukölln...BewohnerInnen und Bewohner des KUNSTASYLS/ Heimes für Geflüchtete und Asylsuchende in der Staakener Straße Berlin Spandau als Reisebegleiter im Gespräch mit Ihren Gästen und Sitznachbarn.
Wir danken allen ÜbersetzerInnen, die die Kommunikation zwischen den Reisenden sprachlich vermittelt haben.

Fernreise Neukölln - 27. & 28.6. - Acht mal um die Welt

Michael Wolf, Autor der Zeitung DIE WELT, war Reisegast von Housam und schreibt dazu folgendes:

 

 

Dakel Sado im Gespräch mit Adrian Garcia-Landa / Radio KiezFM

Im Gespräch mit Adrian Garcia-Landa / Radio KiezFM

 

barbara caveng im Gespräch mit Adrian Garcia-Landa / Radio KiezFM



Opens internal link in new windowDakel Sado in der zentralen Ausstellung "Signale" in den Neukölln Arcaden , schlafend auf seinem Bett im nachgebauten Zimmer 102 des Wohnheimes für Geflüchtete und Asylsuchende in der Staakener Straße, Berlin-Spandau.


KUNSTASYL tours wurde ermöglicht durch die grosszügige Unterstützung von Opens external link in new windowBVB.net