"Wenn es zum Krieg kommt, sind wir alle Flüchtlinge - und wer auf der Welt will uns dann haben?"

Es ist diese Frage einer Syrischen Künstlerin- 2011, kurz vor Kriegsausbruch gestellt - mit der Europa umzugehen hat und die Gesellschaften und Politik polarisiert. Dem Menschen auf der Flucht lassen wir unser Mitgefühl zukommen: Er musste seine Heimat verlassen, vielleicht verliert er sie unwiederbringlich, er ist in Lebensgefahr. Hat er unser sicheres Ufer erreicht, sind die Gefühle zwiespältig. Im Ankunftsland sorgt man sich um die eigene Heimat, verunsichert durch die Ankunft der Fremden, der Vielen. Die Situation derjenigen, die es hierher geschafft haben, bleibt prekär.

Der besetzte Oranienplatz und die Gerhard-Hauptmann-Schule in Kreuzberg wurden zur Versinnbildlichung der Wünsche und Forderungen von Menschen mit ungeklärtem Status: Sie wollen keine Zuweisung in ein Heim, sie kämpfen um selbst bestimmten Raum, Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit arbeiten zu dürfen, d.h. innerhalb der Gesellschaft tätig zu werden.

Die Forderung nach dem uneingeschränkten Bleiberecht, ist die Forderung nach Teilhabe.

Eine Auseinandersetzung mit „Flucht" ist die Beschäftigung mit Heimat und Heimatlosigkeit, ist die Beschäftigung mit Raum.

Die Unterbringung von Zuwanderern ist ein brisantes Dauerthema. Viele Menschen leben oft jahrelang sozial isoliert in Heimen, weil sie keine Wohnung finden, andere landen auf der Straße, tauchen ab. Containersiedlungen werden errichtet und Tragluftzelte aufgeblasen.

KUNSTASYL fragt:

Wie kann das Wohnen - im Gegensatz zur "Unterbringung"- von Geflüchteten/ Asylbewerbern selbst mitgestaltet werden? Wie können vorhandene Strukturen verändert, ergänzt und erweitert werden und wie gelingt es, die Geflüchteten/ Asylbewerber an der Gestaltung dieses Raumes zu beteiligen?

Welche Konzepte und Handlungsstrategien können über den Katalysator der künstlerischen Arbeit gemeinsam von Ansässigen und Einwanderern entwickelt werden, um die provisorische Situation des Ankommens in ein integriertes Bleiben zu verwandeln?

Der Ort

Ca. 100 Menschen leben in dem Wohnheim in der Staakener Straße in Spandau an der Grenze zum Industriegebiet.Zum Wohnen war das ehemalige Gesundheitsamt des Bezirks nicht gedacht. Nach Vorgaben des LAGeSo wurde es dafür hergerichtet. Der Minimalstandart auf den wenigen QM/ Mensch beinhaltet Tisch, Bett, Stuhl, Schrank & einen Mülleimer mit Deckel.

Das Heim ist ein Ort der Unterbringung, es bietet Platz, aber keinen Raum, der sich definiert - zur Kommunikation, zum Spiel, oder zur Begegnung mit der ansässigen Bevölkerung.

Potential ist vorhanden, insbesondere in dem das Gebäude umgebenden, dazugehörigen Gelände, welches zur Zeit brach liegt und ungenutzt ist.

Das Vorhaben

 

Das Heim und seine Bewohner durch künstlerischen Aktionen und Eingriffen sichtbar zu machen und die Kommunikation nach innen und außen zu stärken, ist Ziel des Projektes. Das Heim wird zu einem performativen Ort von Geschehen und Verwandlung und öffnet sich nach außen.


KUNSTASYL versteht sich wesentlich als Plattform zu einem diversifizierten Austausch der Bewohner mit der ansässigen Bevölkerung.

Wenn Sie das Projekt unterstützen möchten, füllen Sie bitte das Spendenformular aus oder schicken Sie eine email an daheim@kunstasyl.net