11 Anatol

Anatol bewohnt mit seinen Eltern Tatjana und Anatol den Raum im Erdgeschoss. Die Familie stammt aus Moldawien.
Zwei Tage nach seinem Einzug hat Anatol über ebay-Kleinanzeigen in Marzahn einen Klitschko Crosstrainer erstanden. Der 19-jährige wrestelt.




11 Khaled

Khaled

... von der Bushaltestelle aus... ich bin gelaufen und gelaufen und es gab kein Ende. Ich habe mich gefragt, „Wann bin ich in diesem HEIM?“ und ich bin gelaufen und gelaufen und immer weitergelaufen und gelaufen. Ich bin weitergelaufen ins HEIM und dann hab ich die Security gesehen. Der Security Mann war so groß, da hatte ich Angst vor ihm. Er hatte gar keine Haare und und ich hatte Angst vor ihm. Dann bin ich ins Zimmer gegangen. Es war leer und es gab überall Spinnweben und es war schmutzig und im Kühlschrank sah es aus wie in einem Mülleimer, um ehrlich zu sein. Wir haben dann sauber gemacht und haben etwas gefunden, um die Spinnweben zu entfernen.... Jeden Tag haben wir sauber gemacht.

Als ich hierher gekommen bin und die Zimmer gesehen habe - das eine und das andere - da war ich so aufgeregt, so aufgeregt und das war schrecklich. Ich habe meine Mutter gefragt, „Wo soll ich schlafen?“. Nach einer Woche hat man uns gesagt, ihr bleibt jetzt für drei Monate erst mal hier.

Den ersten Tag als ich hier war... ich habe soso Syrien vermisst, so viel. Ich habe gesagt: „Hier sitze ich einen Raum und ich kann gar nichts tun. Aber da kann ich Fernsehschauen, alles verstehen. Hier - nichts zu schauen, nichts zu hören...“. Ich bin jetzt seit einem Jahr im HEIM. Ich fühle mich nicht ganz wohl. Als ihr gekommen seid, da hab ich mich gefreut. Jemand mit dem ich arbeiten kann und ihr könnt mich verstehen und ich euch auch. Da hab ich mich gefreut. Aber ich war ja schon so 8 Monate hier, bis ihr gekommen seid. daher war es nicht gut, alles nicht gut.

Hier ist es immer schrecklich, egal, wie viel auch gut ist, es bleibt immer schrecklich. Eine Wohnung ist immer besser. Egal, ob klein oder groß, das ist egal, aber du brauchst eine Wohnung - für deine Ruhe, für deine Kinder und alles, was du hast, ist es besser. Hier stören dich alle Und meine Mutter kann nicht gut schlafen und so. Aber, wir wissen, wir können nichts ändern. Wir suchen nach einer Wohnung..., wir müssen auch da raus, weil … hier kann man nicht bleiben. Hier ist es ganz schrecklich und nicht gut.

Aber, wir können nichts ändern. Auch in Syrien war nicht alles gut. Da gibt es Krieg. Wir mussten unsere Wohnung verlassen. Aber der Nachbar unserer Oma war gut und hat uns eine Wohnung gegeben. Wir haben da ein Jahr gelebt und dann hat mein Vater gesagt, „Es geht nicht mehr. Egal wie schwer es ist, wir müssen nach Deutschland oder ein anderes Land." In Syrien, Tag für Tag, 24 Stunden bumbumbumbumbumbum. Eine große Bombe hat dann die Wohnung meiner Oma getroffen. Meine Oma hört nicht gut. Sie sah Wasser fließen und sagte „Schau mal, Wasser – ach egal...“. Aber dann kam immer mehr Wasser und Sand und dann war die ganze Wohnung nur noch Sand und Wasser und Schmutz...

Khaled ist 11 Jahre alt und lebte bis 2014 in Damaskus.

 

Dieser Text ist eine gekürzteTranskribtionsfassung der Originaltonaufnahme. Er wird kommentarlos veröffentlicht und zollt dem subjektven Empfinden und der Wahrnehmung des Autors Respekt.