10 Zlatan | Ramiza | Vanesa

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Ramiza & Zlatan bereiten sich auf ihre Abreise vor. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt. Am 4.8. verließen sie Berlin. Opens external link in new window> „Zlatan came to me. He's going tomorrow at 8 am“

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Zlatan
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Ramiza


Zlatan, Ramiza und Vamesa verbrachten ihre letzten Wochen daHEIM in Raum Nummer 10. Sie waren von Opens internal link in current windowRaum Nummer 5 umgezogen.


"Wenn ich mir wünschen könnte, was ich will? Ich weiß es nicht... "

Zlatan & Ramiza: Wir kommen aus Bosnien, aus einer kleinen Stadt namens Gračanica. Dort haben wir gelebt mit unserer Familie. Vater, Mutter, Bruder... Wir waren viele Leute zusammen in einem Haus. Vier Familien, mein Bruder und seine Frau, meine Schwester, drei Kinder, alle in einem kleinen Zimmer.

Dieses Zimmer hier ist jetzt besser, es ist groß. In Bosnien ist so ein Zimmer für zwei Familien, 15 Personen.

Wir sind seit fünf Jahren zusammen. In Bosnien ist es schwer. Wir haben Flaschen, Nylon und Papier verkauft. Wir haben keine Schule besucht oder einen Beruf erlernt. In der Schule waren wir nur drei Tage. Als wir zur Schule gegangen sind, hat der Krieg angefangen und dann war die Schule vorbei.

Zlatan: Ich will in Deutschland arbeiten. Egal was. Hauptsache arbeiten.

Zlatan & Ramiza: Wenn die Ausländerbehörde sagt, dass wir gehen müssen, dann gehen wir. Aber noch bleiben wir hier. In Bosnien ist es sehr schwer eine Arbeit zu finden, es gibt viel Diskriminierung, weil wir Roma sind.
Wenn wir zurück müssen, dann wissen wir nicht was wir machen. Dann müssen wir es noch einmal versuchen, gucken wo sind Papier und Flaschen und müssen die verkaufen. Es ist schwer, aber keine Ahnung.

Wir haben auch Angst um die Zukunft unserer Tochter. Wir haben Angst, dass sie sagt, sie hat Hunger, wir aber kein Essen haben. Wir wissen nicht was wir machen würden. In Bosnien ist es schwer, wenn man keine Arbeit hat. Wenn man kein Geld hat, gibt es kein Essen.

Vanesa: Ich will nicht zurück nach Bosnien. Bosnien nein!

Zlatan & Ramiza: Wir waren nicht in der Schule aber unsere Tochter soll in die Schule.

Ramiza: Wenn ich in Deutschland bleibe, dann sollen die Kinder in die Schule. Ich will auch in die Schule aber zuerst in den Deutschkurs.
Wenn ich mir wünschen könnte, was ich will? Ich weiß es nicht...

Zlatan: Ich würde gerne in einer großen Firma arbeiten. Egal, was. Hauptsache arbeiten.

Zlatan & Ramiza: Unsere Eltern sind in Gračanica. Sie sind auch nicht zur Schule gegangen. Wir hatten auch keinen Garten.

Zlatan: Ich helfe zu Hause, ich schicke meinem Vater Geld für Essen und Medikamente. Meine Mutter ist auch krank.

Zlatan & Ramiza: Wir würden gerne zu unserer Familie, aber jetzt ist es schwer. Wenn wir gehen, wie machen wir dann weiter? In Bosnien ist es schwer, hier ist es besser. Und wenn wir hier bleiben, schicken wir unseren Eltern bisschen Geld und helfen ihnen.

Wir sind seit zehn Monaten in Deutschland und bleiben noch zwei Monate. Seit sechs Monaten sind wir in diesem Heim, davor waren wir in einem Hotel. In diesem Wohnheim ist es besser.

Zlatan: Ich habe einen Bruder hier. Er wohnt im Wohnheim in der Neuroklinik. Berlin gefällt uns.
Als wir in Deutschland angekommen sind, sind wir drei Tage in Dortmund geblieben. Dann hat die Polizei oder Ausländerbehörde, keine Ahnung, gesagt, wir müssen nach Perlenburg, 17 Tage. Diese Stadt hat dann gesagt, geht nach Berlin. Aber vorher waren wir noch nie in Deutschland.

Barbara: Vor zwei Tagen hat Zlatan gesagt „Das Heim ist gut, das Sozialamt ist gut, aber Deuschland ist scheiße.“

Zlatan & Ramiza: Keine Ahnung was wir machen, immer zu viel denken, wir wollen arbeiten, aber wissen nicht was. Wir hören von anderen Leuten, dass die Ausländerbehörde zu vielen Leuten sagt, du musst zurück nach Bosnien. Du musst zurück nach Serbien oder Mazedonien...

Zlatan: Ich habe sehr viel Angst um die Kinder. Wenn die Polizei in dieses Zimmer kommt, ich denke die Kinder werden viel weinen und Stress haben und Angst vor der Polizei.

Zlatan & Ramiza: Wenn die Kinder auf der Straße die Polizei sehen, dann weinen sie und wollen gehen. Sie haben Angst vor der Polizei. Wir haben keine Angst, aber die Kinder haben Angst.
Wenn die Polizei kommt, dann müssen wir in zehn Minuten packen und sofort nach Bosnien zurückfliegen und dann ist es uns fünf Jahre verboten nach Deutschland zurückzukehren.

Wenn wir irgendwann gehen müssen, dann wollen wir noch einmal versuchen herzukommen.

Das Gespräch mit Ramiza und Zlatan fand am 7.6.2015 statt und wurde transkribiert von Safaa Moussa


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Zlatan
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Zlatan | Dachil
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Ramiza | Zlatan

10 Housam | Ruba | Khaled | Sham | Nour

 

Die Familie lebte zehn Monate im Heim. Nach vier Monaten Suche beziehen die Housam, Ruba, Khaled, Sham und Nour aus Damaskus am Wochenden des 23./ 24.5. eine Wohnung in Spandau.