"Wenn es zum Krieg kommt, sind wir alle Flüchtlinge - und wer auf der Welt will uns dann haben?"

Es ist diese Frage einer Syrischen Künstlerin- 2011, kurz vor Kriegsausbruch gestellt - mit der Europa umzugehen hat und die Gesellschaften und Politik polarisiert. Dem Menschen auf der Flucht lassen wir unser Mitgefühl zukommen: Er musste seine Heimat verlassen, vielleicht verliert er sie unwiederbringlich, er ist in Lebensgefahr. Hat er unser sicheres Ufer erreicht, sind die Gefühle zwiespältig. Im Ankunftsland sorgt man sich um die eigene Heimat, verunsichert durch die Ankunft der Fremden, der Vielen. Die Situation derjenigen, die es hierher geschafft haben, bleibt prekär.

Der besetzte Oranienplatz und die Gerhard-Hauptmann-Schule in Kreuzberg wurden zur Versinnbildlichung der Wünsche und Forderungen von Menschen mit ungeklärtem Status: Sie wollen keine Zuweisung in ein Heim, sie kämpfen um selbst bestimmten Raum, Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit arbeiten zu dürfen, d.h. innerhalb der Gesellschaft tätig zu werden.

Die Forderung nach dem uneingeschränkten Bleiberecht, ist die Forderung nach Teilhabe.

KUNSTASYL@TillRimmele

Eine Auseinandersetzung mit „Flucht" ist die Beschäftigung mit Heimat und Heimatlosigkeit, ist die Beschäftigung mit Raum.

KUNSTASYL gründete sich 2015. Das partizipatorische Kunst- & Forschungsprojekt wurde von der deutsch-schweizerischen Künstlerin barbara caveng initiiert. Der deutsch-tunesische Architekt Aymen Montasser, die deutsch-polnische bildende Künstlerin Therry Kornath, der hiesige Fotograf und Journalist Till Rimmele und der aus dem Irak stammende Dachil Sado, seit 2017 Student der freien Kunst, gehören zu den Gründundungsmitgliedern. Ein Wohnheim in der Staakener Straße in Berlin-Spandau  mit gut 100 BewohnerInnen wurde auf Einladung des damaligen Heimleiters Gordon Grunwald Ausgangspunkt für eine gemeinsame Projektentwicklung. Zum Wohnen war das ehemalige Gesundheitsamt des Bezirks an der Grenze zum Industriegebiet nicht gedacht. Nach Vorgaben des LAGeSo war es es dafür hergerichtet worden. Der Minimalstandart auf den wenigen QM/ Mensch beinhaltete Tisch, Bett, Stuhl, Schrank & einen Mülleimer mit Deckel. Das Heim war ein Ort der Unterbringung; es bot Platz, aber keinen Raum - weder zur Kommunikation, noch zum Spiel oder zur Begegnung mit der ansässigen Bevölkerung.

2015 fragte KUNSTASYL wie das Wohnen - im Gegensatz zur "Unterbringung"- von Asylsuchenden selbst mitgestaltet werden kann und wie vorhandene Strukturen verändert, ergänzt und erweitert werden können um Menschen, die geflohen sind, an der Gestaltung dieses Raumes zu beteiligen. In Zusammenarbeit von Ansässigen und Ankommenden entwickelte KUNSTASYL über den Katalysator der künstlerischen Arbeit Konzepte und Handlungsstrategien um die provisorische Situation der Ankunft in ein integriertes Bleiben zu verwandeln.
Ziel war es, das Heim und seine BewohnerInnen durch künstlerischen Aktionen und Eingriffen sichtbar zu machen und die Kommunikation nach innen und außen zu stärken. Über den Zeitraum von vierzehn Monaten wandelte sich das HEIM zu einem performativen Ort, wurde zu Lebensraum, Werkstatt und Bühne und öffnet sich nach außen. Aus Bekanntschaften wurden Freundschaften. KUNSTASYL generierte eine gemeinsame Identität über die Grenzen von Nationen, Religion und Ethnien hinweg.

Basierend auf den gemeinsamen Erfahrungen und vielfältig erpropten künstlerischen Ausdrucksweisen entwickelte die KUNSTASYL-Community 2016/17 zusammen mit dem MEK Museum Europäischer Kulturen Berlin in einem viermonatigen offenen Werkstattprozess das AusstellungsprojektOpens internal link in new window "daHEIM: Einsichten in flüchtige Leben".

Am 1.Juli 2017 verabschiedete sich KUNSTASYL als Opens internal link in new windowDIE KÖNIGE vom MEK. Die Ausstellungsräume, das Foyer und der Garten waren Schauplatz von UTC 7 HOURS PARALLEL PERFORMANCES, einer langen Reise durch einen Tag mit dreissig PerformerInnen, KünstlerInnen, Menschen jedweder Profession, Studierende, Ansässigen und Ankommenden.
Im Herbst 2017 gründete sich aus aus dem Ensemble der KÖNIGE die KOMPANIE.

Seit 2015 entstanden mannigfaltige Kooperationen zwischen KUNSTASYL, BewohnerInnen und Institutionen auf lokaler, kommunaler, nationaler und internationaler Ebene. KUNSTASYL tritt auf Konferenzen und Symposion auf, nimmt an Ausstellungen teil und entwickelte verschiedene Formate Interventionen und Workshops.

Gesellschaftliche Teilhabe erfordert ein gemeinsames Wertesystem:

UTC 7 HOURS_PARALLEL_PERFORMANCES@AndreaMilde
UTC 7 HOURS_PARALLEL_PERFORMANCES | "Ein Platz an der Sonne"
Stefanie Scheirer | Dachil Sado | Iyas Sari | Larissa Hermanns | barbara caveng | Omar Alshaer | Stephan Navar | Basim Bashir Suleman | Lamin E. Sanneh verlesen stumm die Charta der Menschenrechte.

Im Rahmen des sechsmonatigen Arbeitsprozesses zu UTC-7 HOURS PARALLEL PERFORMANCES formulierten die ProtagonistInnen ihre 'Charta der Menschenrechte'. Sie beginnt mit
Artikel 1, Jeder Mensch hat das Recht Mensch genannt zu werden und endet mit Artikel 31, Jeder Mensch hat das Recht, glücklich zu sein.

> Die KUNSTASYL Menschenrechts-Charta gibt esInitiates file download hier zum download.

 

Wenn Sie sich weitergehend interessieren oder eine Anfrage haben, schicken Sie uns bitte eine E-mail an daheim@kunstasyl.net