In Transition - PASSAGE

06.12.2017 Koenige daHEIM HEIMart

"Einige von uns mögen ein HEIM haben mit einem Dach überm Kopf – wer aber weiß, für wie lange und wo der nächste Bestimmungsort liegt."


Das Projekt PASSAGE wurde zwischen März und Juni 2017 von BewohnerInnen der Notunterkunft Mertensstraße und KUNSTASYL entwickelt und umgesetzt.
Die Leitung des Projektes hatte Charlotte Danoy Kent, französische Designerin, die ihre Arbeit mit künstlerisch-partizipativer Praktik verbindet. Als Entwicklungs- und Produktionsort stelle die Recycling-Künstlerin Celine Iffli-Naumann, die Textilwerkstatt in der Notunterkunft Mertensstraße, deren Leitung sie innehat, zur Verfügung.

Projektentwicklung / -durchführung: Ahmad Al Hamad , Susan Azizi, barbara caveng, Basir, Bayad, Dawood, Dijwar, Farhad Abou, Larissa Hermanns, Céline Iffli, Babacar Jor, Basir Gulmad, Charlotte Danoy Kent, Ali Al Najjar, Dachil Sado, Siegwash, Basim Bashir Suleiman, Kafyja, Kennan, Klara Teigler, Massud, Mazem, Meis, Mesut Yilmaz, Sultana, Zainab Duale, Zabiollah, Zubeyde und andere
Projektleitung: Charlotte Danoy Kent, beraten von Ali Al Najjar
Portaitzeichnungen: Susan Azizi
Leitung der Textilwerkstatt Mertensstraße: Céline Iffli-Naumann

„You need to take into account that there is always a bright side....“,  Ali Al Najjar |
Notunterkunft Mertensstraße


In der ehemaligen Zigarettenfabrik BAT (British-American-Tabacco) in Berlin-Spandau leben bis zu 900 Menschen, die Deutschland um Asyl ersuchen. Zu sechst in einer Wohnzelle untergebracht, versuchen sie Schlaf zu finden in drei Doppelstockbetten. Notunterkünfte sind als Dach-überm-Kopf für drei Monate Erstunterbringung konzipiert. Oft verbleiben die Menschen an diesen Orten ohne Privatsphäre für bis zu zwei Jahre.
Wie das Zelt, ist auch das HEIM ein Ort des Überganges. PASSAGE ist ein visueller Versuch, dem Schwebezustand, in dem sich Menschen sowohl auf der Flucht, als auch auf dem vermeintlich festen Grund des Ziellandes oder Ankunftsortes befinden, Ausdruck zu verleihen - oder mit den Worten von Charlotte Danoy Kent:
„Transition ist – unabhängig von unserem Hintergrund oder unserer momentanen Position - Realitätszustand für uns alle. Einige von uns mögen ein HEIM haben mit einem Dach überm Kopf – wer aber weiß, für wie lange und wo der nächste Bestimmungsort liegt. Wir sind alle Realitätskonstrukteure auf Ausschau nach unserem Königreich.“

Die Struktur der Installation PASSAGE bildete das Gerüst eines DOMOS, ein für den Katastropheneinsatz von MTS, MORE THAN SHELTERS, entwickeltes Zelt.
Charlotte Danoy Kent, KUNSTASYL und BewohnerInnen setzten das Projekt PASSAGE in der Mertensstraße über vier Monate um.

Es war März 2017: Als nacktes Gerüst irritiere die fragile Zeltstruktur auf der zentralen Bühne in der Aufenthaltshalle der Notunterkunft die BewohnerInnen. Das Gebilde weckte die Aufmerksamkeit und Neugier derjenigen, die aus allen Himmelsrichtungen ihre Wege nach Deutschland gefunden hatten - auf Pfade, die aber nicht wirklich in dem imaginierten Land endeten, sondern in einer umfunktionierten Fabrikhalle, deren ortlose Anmutung einer Abflughalle auf einem Flughafen nahekommt.
"Was würde ich tun, wenn ich ein KÖNIG, eine KÖNIGIN wäre?" Wir baten die Menschen, ihre Vorstellungen von Veränderung und ihre größten persönlichen Wünsche, ihr Leben oder die Situation in ihren Herkunftsländer betreffend, zu formulieren und an das Zelt zu heften. Zeitgleich begann die aus dem Iran stammende Künstlerin Susan Azizi die BewohnerInnen der Notunterkunft zu portaitieren. Mit Zeichenblock und Bleistift bewegte sie sich durch die Halle, ließ sich auf Anfrage nieder und skizzierte das Antlitz ihres jeweiligen Gegenübers. Die Serie von Portraits, die auf diese Weise entstand, wurde zum Ausgangspunkt für eine Umsetzung als Nähzeichnungen. Mit rotem Faden und roter Wolle auf transparente Folie übertragen, formten sie nach und nach eine verletzliche Haut über dem Zeltgerüst.
In die Gedankenräume zwischen den Antlitzen wurden einige der vormals auf Papier notierten Wünsche, Hoffnungen und Erinnerungen eingestickt: Kafyja aus Somalia verbildlichte ihren Traum fliegende Polizistin werden und ließ die Rotoren ihren erträumten Hubschrauber in den Zenit des Zeltes tragen. Dort verharrte er als rote Silhoutte in zierlichen Stichen auf transparentem Grund. Kleidungsstücke aus der Spendenkammer schienen zum Trocknen über die Zeltstruktur geworfen worden zu sein. Die Textilien verdichteten die Lücken zwischen den Zeltträgern und schufen einen Innenraum, der keine Schutzfunktion gewähren konnte, sondern ein Provisorium im Schwebezustand beschrieb. 

Die Zeltinstallation PASSAGE wurde das erste Mal vom 23.06. - 25.06.2017 während des Kunstfestivals 48STUNDEN NEUKÖLLN im öffentlichen Raum präsentiert. Charlotte Denoy Kent, Ali Al Najjar und Ahmad Al Hamad betreuten die für Besucher begehbare Installation temporärer Architektur. Der Gastauftritt einiger PerformerInnen von Opens internal link in current windowDIE KÖNIGE  verwandelte das Zelt in eine Bühne für Gilgamesh.

Museum Europäischer Kulturen Berlin

Vom 27.06.2017 bis 02.07.2017 wurde PASSAGE  im Garten des Museums Europäischer Kulturen Teil des AusstellungsprojektesOpens internal link in current window daHEIM: Einsichten in flüchtige Leben  und Schauplatz der Uraufführung der interdisziplinären Performance-Produktion Opens external link in new windowDIE KÖNIGE - UTC 7 HOURS PARALLEL PERFORMANCES mit der die anderthalbjährige Zusammenarbeit von KUNSTASYL und dem Museum Europäischer Kulturen ihr Ende fand - dessen letzte Worte von Urshanabi, dem Fährman der Toten im Gilgamesh Epos entliehen waren: "Eine Reise ist nichts als eine Reise...."

 
Das Projekt PASSAGE wurde gefördert von der Stiftung Pfefferwerk

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Zeltaufbau in der Textilwerkstatt in der Notunterkunft Mertensstraße

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Massud stickt seine Erinnerung in Tuch

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Farhad Abou, begabter Gestalter, der in Syrien im Strassenbau arbeitete

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Blick in die Textilwerkstatt

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Die Künstlerin Susan Azizi portraitierte die BewohnerInnen der Notunterkunft

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Zainab Duale und Céline Iffli

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Kafyja

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

barbara

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Zainab veredelt barbara mit Henna, Kafyja

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Charlotte Danoy Kent

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Die Installation PASSAGE - beschwert mit Kinderspielsand aus dem Baumarkt

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

PASSAGE bei 48STUNDEN NEUKÖLLN

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

PASSAGE bei 48STUNDEN NEUKÖLLN

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

PASSAGE bei 48STUNDEN NEUKÖLLN

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Ein Vorgeschmack: Leonie Baur performt für DIE KÖNIGE | PASSAGE bei 48STUNDEN NEUKÖLLN

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Ein Vorgeschmack: DIE KÖNIGE zu Gast bei PASSAGE

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Ein Vorgeschmack: DIE KÖNIGE zu Gast bei PASSAGE

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

PASSAGE bei 48STUNDEN NEUKÖLLN | Hintere Reihe: Dachil Sado, Katarzyna Puzon, Iyas Sari, Dijwar Mele, Basim Basher Suleiman, Charlotte Danoy Kent, Ali Al Najjar, barbara caveng, Ahmad Al Hamad, Céline Iffli, Farhad Abou. Vordere Reihe: Larissa Hermanns, Omar Alshaer, Hazemina Donlic

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

PASSAGE bei 48STUNDEN NEUKÖLLN

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

PASSAGE bei 48STUNDEN NEUKÖLLN

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©KUNSTASYL

Aufbau PASSAGE im Garten des Museum Europäischer Kulturen

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©Ketzmerick

Detail der Installation PASSAGE

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©Milde

PASSAGE als Schauplatz von DIE KÖNIGE - UTC 7 HOURS PARALLEL PERFORMANCES

KUNSTASYL | KÖNIGE - PASSAGE©Neuland

PASSAGE als Schauplatz von DIE KÖNIGE - UTC 7 HOURS PARALLEL PERFORMANCES