KUNSTASYL FEIERT DEN 3. GEBURTSTAG!

24.02.2018 daHEIM

„Wir freuen uns, dass wir heute hier sind, sein dürfen. Und wir möchten Ihnen als Erstes kurz erzählen, warum wir hier sind."

"Wie viele andere Menschen in Deutschland, machen wir uns Gedanken über die gemeinsame Situation, in der wir sind. Sie, die Sie hierhergekommen sind und wir, die wir leben.

Sie sind hier, weil Sie Ihre Länder verlassen mussten oder auch verlassen wollten. Deutschland versucht Ihnen einen gewissen Schutz zu geben. Ein Dach über den Kopf, ein Bett. Das ist viel, aber nicht genug.

Denn meistens haben wir, die wir hier leben, keine Möglichkeit, Sie kennenzulernen. Und wenn man sich nicht kennenlernt, entstehen keine Beziehungen, es entsteht kein Gespräch, kein Austausch und keine Möglichkeit, dass wir ein Stück Leben gemeinsam gestalten.
Und genau deswegen sind wir hier: Wir möchten Sie kennenlernen. Sie als Menschen mit Ihrer Geschichte, Ihren Erfahrungen, Ihrem Wissen und Ihrem Können. Wir sind KünstlerInnen und GestalterInnen und wir möchten gemeinsam mit ihnen etwas TUN. Wir möchten auch von Ihnen lernen." [...].

Der Text ist ein Auszug unserer ersten Worte mit denen wir, barbara caveng, Aymen Montasser, Therry Kornath und Till Rimmele, uns vor genau drei Jahren auf Einladung des damaligen Heimleiters Gordon Grunwald, am 24. Februar 2015 an die BewohnerInnen des Heimes für Asylsuchende in der Staakener Straße in Spandau wandten.

Wir haben diese Worte vergessen, dennoch haben sie uns begleitet in eben diesem Tun der letzten drei Jahre und haben ihre Gültigkeit bis heute für KUNSTASYL behalten.

In den Jahren 2015 und 2016 beschrieb ich, barbara, das Projekt KUNSTASYL als „schmerzbasiert“. Als die Welle der Abschiebungen in die Balkanländer, in den Kosovo und Albanien einsetzte, als wir Freunde verloren und wir uns unsere Ohnmacht eingestehen mussten, drückte Aymen Montasser seine Gedanken in einer Ode aus:

„Ich beginne mit einfachen Worten: jeder fragt sich, ob Aymen sich verändert hat., je commencerais par des mots simples: tout le monde se demande que Aymen a changé.

Man erkennt Dich nicht mehr, die Freunde, die Familie, der Bruder und sogar KUNSTASYL - die Familie sagt, dass das was ich mache falsch ist; ich soll mich festigen, eine Familie gründen.
Sogar Barbara mit den orangen Haaren hat mir gesagt "Deine Haut sieht anders aus, Du bist lebendiger, Du trinkst keinen Alkohol, oder?"  Dachil vermisst den Terroristen in mir und meint, "Du hast Dich verändert", meine Freunde rufen an und fragen sich, wo der Aymen ist, den sie kennen. Man findet ihn nicht mehr.

Ganz einfach meine Freunde: Das HEIM verändert sich - wer verändert sich nicht???

Seht Ruschka, die Schöne, die Blume, sie hat mich mit Milan in Richtung Novi Sad verlassen. Natürlich verändert mich das ....
Wenn ich auf das Lächeln von Zain warte, das Tag und Tag meine Seele aufrichtet ... natürlich hat mich das verändert, der kleine Hamouda, der mir sagt dass er nun weiß wo Tunesien liegt, natürlich verändere ich mich; ich wüßte kein menschliches Wesen, das dadurch nicht verändert wird??? Ihr etwa???

[…] Zineta und Melisa, Lieben meines Lebens ... kein Tag an dem ich nicht an Beide denke, an die großartige Seele dieser Frau, meine 'Nena' ... und Melisa, die zu Dachil sagt "Papa, ich liebe Dich."

Wie könnt Ihr fragen ob ich mich verändert habe - natürlich habe ich mich verändert.

[…] Zwei Menschenpaare, die mich heute im Garten bei den Pflanzen sahen, sagten "es tut mir leid."
Sie haben nicht geglaubt, dass Du ein "BIG MAN" bist, hier dachte man Du seiest ein FLÜCHTLING.

HAHAHAHAHA ... natürlich habe ich mich verändert ... ich bin jetzt ein Flüchtling ... meine Freunde, Barbara und meine Familie.“ Opens external link in new window> Zum vollständigen Text der ode von Aymen Montasser
http://kunstasyl.net/1-og/daheim/ode-an-kunstasyl-ode-a-kunstasyl/
Dachil Sado, der die Entwicklung KUNSTASYL vom ersten Tag an bis heute mitbestimmt, formuliert folgendermaßen:

„Ich war das erstes Mal der Idee von Kunst begegnet. Dann habe ich das Recht auf künstlerischen Ausdruck verstanden. Damals habe ich mit Hameed Safi aus Afghanistan zusammengewohnt. Nach drei Jahren - ohne dass Hameed ein Zukunft planen kann - ist er aus der Wohnheim in der Staakener Straße ins Containerdorf auf [dem Flughafengelände] Tempelhof umgesiedelt worden. Ich frage mich, ob die Stadt Berlin diese MUFs, isolierte Dörfer, als politischen, gesellschaftlichen oder räumlichen Fortschritt bezeichnen kann? Ich sehe darin eine ähnliche Bewegung, wie zu dem Zeitpunkt, als Menschen aus dem Balkan nach Jahren in ein Herkunftsland abgeschoben wurden, welches Vielen unter ihnen fremd geworden war.

Was passiert mit Menschen nach allen diesen verschwundenen Jahren ihrer Lebenszeit?“

 

Der Geschichte und Entwicklung von KUNSTASYL kann man nachspüren auf unserer website: Unserem ersten Jahr - der Lehrzeit im Heim - mit seinem Sommer im 'blühenden utopia garden', unserem zweiten Jahr, als wir in den Sonderausstellungsräumen des Museums Europäischer Kulturen ein Opens internal link in current windowdaHEIM kreierten und auch an diesem Ort die Grenzen zwischen Leben und Kunst verschwammen.

Am 1. Juli 2017 nahmen wir unseren Abschied vom MEK mit der 7 stündigen Performance Opens external link in new windowDIE KÖNIGE – UTC 7 hours parallel performances

Die Zusammenarbeit mit der Notunterkunft Mertensstraße, unserem ASYL in diesen sechs Monaten der Produktion von KÖNIGE, führte zur Gründung des Labels GRUNDAUSSTATTER, welches sich mit ästhetischen Grundbedürfnissen des Menschen auseinandersetzt.

Im August 2017 gründete sich aus den Performern der KÖNIGE die KOMPANIE - ein Kollektiv welches seine künstlerischen Inhalte mit den Schwerpunkten Performance und partizipative Kunst gemeinsam entwickelt:

„Die PerformerInnen der KOMPANIE sehen nach dem ersten Probenmonat bei den BLO Studios den Perspektiven des Jahres 2018 in die Augen. Durch vermehrten Projektbezug entsteht durch Körperarbeit und lebhafte Diskussion ein kollektives Bewusstsein über den gemeinsamen Körper, dessen Identitäten und dessen Logik.“ So schreibt Leandra Balliel.

 

KUNSTASYL hatte in den letzten drei Jahren die Möglichkeit zum Austausch mit Projekten aus dem In- und Ausland. Wir waren zu Konferenzen und Seminaren eingeladen, wir wurden von zahlreichen Studierenden und WissenschaftlerInnen begleitet. Wir sind mannigfaltige Kooperationen eingegangen und unser Tun wurde von vielen unterschiedlichen Institutionen und Stiftunge, von privater und öffentlicher Hand gefördert. Dafür allen unseren Dank.

Damals, am 24.2.2015, haben wir gesagt:„Unser Projekt hat einen Namen: KUNSTASYL. Es heißt so, weil die Kunst jeden dazu einlädt, die Welt neu zu denken.“

Die letzten Worte aber an unserem heutigen Geburtstag spricht Iyas Sari, Performer der KÖNIGE und Gründungsmitglied der KOMPANIE:

„Aus Sehensucht nach unserer gemeinsam verbrachten Zeit - Arbeit, Bemühungen Müdigkeit - doch voller Liebe hatten wir einen Grund, mal zu träumen. Es war es viel gearbeitet, geschwärmt, gelacht worden. Zum Schluss haben wir unser Lied zusammen gesungen, zusammen wie nie zuvor: Hand in Hand, Aug in Auge und ein gemeinsames Herz. Wir haben viele unterschiedliche Seelen erlebt und unsere Gefühle haben uns zugeflüstert, uns nicht zu verabschieden, nicht aufeinander zu verzichten und weiter zu singen.

Wir möchten unser Lied weiter und so laut wie möglich um die Welt herum singen.Wir haben einfach geträumt , dass wir ein gemeinsames Ziel haben. DIE KOMPANIE ist unser Traum, zwischen ihren Buchstaben verbergen sich Liebe, Treue und Freude. Weil... das Leben sich lohnt.“

Opens external link in new window> zum Lied, dem Song of Melisa und Trailor der KÖNIGE 


Auf ein baldiges Wiedersehen!

KUNSTASYL / DIE KÖNIGE/ DIE GRUNDAUSSTATTER/ DIE KOMPANIE

 

 

ps: Aymen Montasser ist dem Wunsch der Familie doch noch nachgekommen und hat „sich gefestigt“: Am 9. November wurde Aymen Vater seiner Tochter Yoko, am 8. Dezember heirateten Aymen und Anna. Am 16. März erhält BIG MAN Aymen seine Deutsche Staatsbürgerschaft.
Geht doch! Congratulation!


KUNSTASYL_photo_caveng

Melisa am 1. Dezember 2015, ihrem 10. Geburstag bei ihrer Feier im aufenthaltsraum des Heimes in der Staakener Straße. Im Hintergrund Dachil Sado.

KUNSTASYL_photo_therry.kornath

Auftaktveranstaltung am 24.2.2015 im Heim in der Staakenerstraße Spandau. barbara caveng, Aymen Montasser, Till Rimmele und Therry Kornath (fotografierte, nicht auf dem Bild) stellen sich vor. Rechts im Bild mit schwarzer Jacke: Dachil Sado. Er war gekommen, um zu hören: "What do they want? Will they bother us?"

KUNSTASYL_photo_caveng

Kumrije Isufi feierte am 24.2.2016 den 1.Geburtstag von KUNSTASYL Wenige Monate später tauchte Kumrije mit ihrern drei Kinden nach Erhalt eines negativen Asylbescheides ab.

KUNSTASYL_photo_caveng

Serdar Yousif begleitete KUNSTASYL vom 24.2.2015 bis Anfang Mai 2016. Er realusierte eine große Wandarbeit im Museum Europäischer Kulturen, MEK. Dann landete nach 16-monatiger Wartezeit seine Familie in Deutschland. Serdar lebt heute in Dortmund.

KUNSTASYL_photo_dachil.sado

Hameed an seinem 25. Geburtstag.

KUNSTASYL_photo_Till.Rimmele

Dachil Sado, barbara caveng, Aymen Montasser

KUNSTASYL_pohot_ute.franz

'Freundliche Übernahme' der Sonderausstellungsräume des MEK durch KUNSTASYL am 4.3.2016

KUNSTASYL_photo_dachil.sado

Leandra Balliel und Basim Suleiman bei einer Probe der KOMPANIE.